Brainteaser im Bewerbungsgespräch

Wie viele Tennisbälle passen in ein Telefonhäuschen? Was soll man auf solch eine Frage  im Bewerbungsgespräch antworten?

„Keine Ahnung“ oder „Es gibt gar keine Telefonhäuschen mehr“ oder vielleicht bemüht man sich eine komplizierte Berechnung anzustellen, die einen ungefähren Näherungswert darstellt? Vielleicht gehört man auch zu den Mutigen, die das Gegenüber darauf aufmerksam machen, dass es für den Job vollkommen irrelevant ist, ob man diese Frage beantworten kann. Mit der letzten Möglichkeit wird man sich allerdings bei vielen Personalverantwortlichen unbeliebt machen. Leider. Denn viele Personalverantwortliche lieben so genannte Brainteaser. Und es ist sehr schwer ihnen diese Liebe auszutreiben.

Schon oft saß ich Personalverantwortlichen Gesprächen und Workshops gegenüber und sie erzählten wie interessant es sei, wenn man ein Bewerbungsgespräch mit einer spritzigen Frage auflockere. Einer erzählte mal, die Frage „Was soll einmal auf Ihrem Grabstein stehen?“ sei seine Lieblingsfrage.

Ich: „Warum?“

Personalverantwortlicher: „Da kann man einfach sehen wie die Leute reagieren. Blocken sie ab? Reagieren sie aggressiv? Oder sagen sie etwas, das mich vom Hocker haut? Oder gehen sie an die Sache humorvoll ran? Grabstein – ist doch irgendwie interessant!“

Ich: „Haben Sie schon einmal jemanden nach dieser Frage ausgewählt?“

Perso: „Einer zum Beispiel, der kannte die Antwort von Loriot. Der hat gesagt: Der Name wäre zweckmäßig. Fand ich gut. Den haben wir eingestellt.“

Ich: „Und – war das eine gute Entscheidung?“

Perso: „Auf jeden Fall! Leider ist der dann nach einem halben Jahr wieder gegangen. Aber das hatte andere Gründe. Dem hat es bei uns nicht gefallen.“

Fragen in Bewerbungsgesprächen sollten auf jobrelevante Anforderungen auf Motive und auf die Passung von Unternehmen und BewerberIn gemünzt sein. Alles andere sind irgendwelche Spielchen, die unangenehm für die meisten BewerberInnen sind und den meisten Personalverantwortlichen dazu dienen sich selbst als besonders originell hinzustellen.

Wer das nicht glaubt: Google sucht systematisch nach den besten Köpfen bzw. nach den Köpfen, die am besten zu Google passen. Brainteaser hat man dort laut Laszlo Bock (seit 2006 oberster Personalchef bei Google) abgeschafft. Ebenso übrigens wie den Blick auf Abschlussnoten. Das Interview, in dem Laszlo Bock über Googles Personalauswahlstrategien spricht, findet sich auf Spiegel-Online.

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