Verfahren der Kompetenzbilanzierung – Teil 1

Seit etwa 10 Jahren gibt es einen wachsenden Markt von Kompetenzbilanzierungsverfahren. Während sich im Handbuch Kompetenzmessung erster Auflage (Erpenbeck & v. Rosenstiel, 2003), noch kein Verfahren zur Kompetenzbilanzierung fand, wurde Kompetenzbilanzierung in der zweiten Auflage (2007) als eigene Kategorie aufgenommen. Mittlerweile kann der Stand von 2007 schon wieder als veraltet betrachtet werden, denn in den vergangenen sechs Jahren sind zahlreiche weitere Verfahren zur Kompetenzbilanzierung entstanden bzw. die bestehenden Verfahren weiterentwickelt worden.
Eine unvollständige Übersicht über bestehende Verfahren, die gemeinhin als Kompetenzbilanzierungsverfahren bezeichnet werden:

Anhand der aufgeführten Bilanzierungsverfahren wird eine gewisse Heterogenität deutlich. Es stellt sich die Frage, auf welche Weise man einzelne Verfahren innerhalb der Kategorie „Kompetenzbilanzierung“ sortieren kann.
Eine Möglichkeit hierzu schlagen bereits Colardyn und Bjornavold (2005) vor. Sie unterscheiden formative und summative Verfahren:
„With a formative function to assessment, instruments and tools are used to guide learning by individuals and enterprises. With a summative function, non-formal learning can be tested for inclusion in formal education and training and it can remain independent” (Colardyn/Bjornavold 2004, S. 18).
Gillen (2006) trifft eine Unterscheidung in anforderungsorientierte und entwicklungsorientierte Verfahren.
Ich selbst verwende häufig in ähnlicher Weise die Unterscheidung in subjektivierend und objektiverende Verfahren (Triebel 2009).
Objektivierende bzw. anforderungsorientierte Verfahren versuchen demnach Kompetenzen objektiv festzustellen, in subjektiverenden bzw. entwicklungsorientierten Verfahren hingegen dient die Kompetenzfeststellung der Unterstützung eines Beratungs-, Veränderungs-, Orientierungs- oder Empowerment-Prozesses.
Nicht alle Verfahren jedoch lassen sich eindeutig einer Richtung zuordnen.
So wie auch der Kompetenzbegriff vielfältig und schillernd ist, so kann auch der Begriff der Kompetenzbilanzierung deshalb als einigermaßen ungeklärt bezeichnet werden.
Statt einer wissenschaftlichen Definition von Kompetenzbilanzierung kann man eher von einem Common Sense darüber sprechen, was Kompetenzbilanzierungsverfahren sind und einer Übereinkunft darüber, was sie zu leisten vermögen.
Rein äußerlich gibt es ein paar Aspekte, die Kompetenzbilanzierungsverfahren gemein sind:
Häufig gibt es bestimmte Arbeitsmaterialien (Arbeitsmappe), die für das Verfahren durchgearbeitet werden soll
Für viele Verfahren gibt es eine Schulung. Diese Schulungen unterscheiden sich jedoch nach Inhalt und Umfang erheblich.

…Fortsetzung folgt

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